Willkommen auf unserer Internetseite!

Mein Einkaufswagen:

0 Artikel - 0,00 €
Sie haben keine Artikel in Ihrem Einkaufswagen.

0

Die Philosophie der religiösen Erfahrung in den Werken von I.A. Iljin


Die Philosophie der religiösen Erfahrung in den Werken von I.A. Iljin
Kurz vor der Gedenkfeier zum Todestag des russischen Philosophen Iwan Alexandrowitsch Iljin (†21. Dezember 1954) widmet ihm Priestermönch Warlaam (Gorokhow), Lehrer des Geistlichen Seminars zu Tobolsk, seine nächste Publikation Zu einem der Versuche der atheistischen Interpretation der Religion kann die Bestrebung gezählt werden, die religiösen Erscheinungen als eine Summe subjektiver Empfindungen zu interpretieren - einzelner Person, eines Volkes oder gar der Zivilisation insgesamt. Dabei wird das Ziel des religiösen Lebens als subjektiv und illusorisch dargestellt: „Jeder glaubt an das Eigene". Nichtsdestotrotz sollte hier die Tatsache miteingerechnet werden, dass die Herleitung des Ursprungs der Religion aus der religiösen Erfahrung eine lange Vorgeschichte hat, und zwar bei religiösen Denkern. Unter anderem erklärte der lutheranische Pastor, Theologe und Religionsphilosoph F.Schleiermacher (1768-1834) in seinem Buch „Über die Religion", dass die Grundlage der Religiosität das innere Erleben des Menschen sei, die er als ein Gefühl absoluter Abhängigkeit von den Lebensumständen definiert (Sterblichkeit, Verletzlichkeit, Gefühl der Gerechtigkeit, usw.), das seinem Wesen nach die Abhängigkeit vom Schöpfer sei. Ein anderer deutscher Denker, R. Otto, Autor des Werkes „Das Heilige", das in der Religionswissenschaft des 20. Jahrhunderts einen starken Nachhall fand, zeigte, dass das Heilige im Menschen nicht einfach ein Gefühl der Abhängigkeit, sondern ein Erlebnis von etwas absolut Anderem hervorrufe, dessen Natur anders als die des Menschen sei. Gott sei ein mysterium tremendum („ein Geheimnis, das erzittern lässt", die heilige Ehrfurcht hervorruft). Die Thematik dieser deutschen religionswissenschaftlichen Werke, in denen die religiöse Erfahrung behandelt wird, ähnelt der Thematik der religionswissenschaftlichen Werke unseres prominenten Landsmannes Iwan Alexandrowitsch Iljin. Iwan Alexandrowitsch Iljin (1883-1954), ein großer russischer Philosoph, Rechtswissenschaftler und Religionstheoretiker sowie eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, kann zu Recht als einer der größten Vertreter der Religionswissenschaft bezeichnet werden. In seinen vielfältigen Werken ist dieses Thema durch Arbeiten vertreten wie „Der Weg der geistigen Erneuerung" (1937), „Die Krise der Gottlosigkeit" (1935) und „Die Axiome der religiösen Erfahrung" (2 Bände, 1953), in denen er ein entfaltetes Bild der Quellen der Religion dargibt. Den Begriff der Religion definiert I.A. Iljin wie folgt: „Religion ist die das ganze Leben umfassende (im Sinne ihrer Umfangssphäre) und lebendige (nach dem Charakter ihrer Wirkung) Verbindung des Menschen mit Gott; oder anders: eines menschlichen Subjekts mit dem göttlichen Objekt. Dieses Objekt ist nicht unbedingt ein Objekt der Erkenntnis bzw. des Wissens. Es kann auch ein Objekt eines Gefühls (der Liebe), der Kontemplation, des Willens und sogar einer aktiven Verwirklichung sein (Reich Gottes). Aber unter allen Bedingungen und in allen Religionen bleibt ER das, was gesucht, erlangen, begehrt, betrachtet, gespürt, durch den Glauben bestärkt, im Unglauben verneint wird, Liebe oder Angst oder Ehrfurcht eingibt, - ein objektiv seiendes Anderssein."[1] Die menschliche Religiosität hat religiöse Erfahrung zur Grundlage, die auf keine menschliche Aktivität reduzierbar ist: „Jegliche religiöse Glaubensvorstellung und jegliche religiöse Handlung haben die religiöse Erfahrung in ihrer Grundlage. Diese Erfahrung unterscheidet sich sowohl von der alltäglichen Beobachtung als auch von der wissenschaftlichen Erfahrung"[2]. Die Natur der religiösen Erfahrung ist nach Iljin synergetisch, d.h., sie vereint in sich ein göttliches und ein menschliches Element: „Von Gott kommt die geistliche Offenbarung, die vom Menschen freiwillig und ganzheitlich akzeptiert wird. Und vom Menschen kommt die lebhafte, unerzwungene und aufrichtige Aufnahme (Kontemplation, Liebe und Glaube), die zu Gott als Gebet und die mit dem Gebet übereinstimmenden Werke emporsteigt"[3]. Laut Iljin gehört eine derartige Aufnahme religiöser Erfahrung einem besonderen Organ an, welches das Heilige empfängt und verspürt. Dies sei der menschliche Geist bzw. das Auge des Herzens: „Das Heilige öffnet sich nur dem geistlichen Auge, und dabei nämlich dem Auge des Herzens. Es öffnet sich weder den körperlichen Empfindungen noch dem begreifenden Verstand, noch dem herumspielenden und konstruierenden Vorstellungsvermögen, noch dem hohlen, wenn auch in seiner Sturheit rasenden Willen. Daher kennt dieser, dem das geistliche Auge fehlt, dessen Herz betäubt ist, nichts Heiliges und kann einem Nihilisten nichts entgegenhalten."[4] Iljin sagte, „die religiöse Erfahrung wird aus der freiwilligen Liebe zur Vollkommenheit geboren: jede geistliche Religion beruht auf der Ehrfurcht vor dem Heiligen, dem lebendigen Gefühl der Verantwortlichkeit und der freiwilligen Annahme der wirklichkeitstreuen Objekthierarchie"[5]. Daher leitet er die Grundlage zur Unterscheidung der verschiedenen Arten religiöser Erfahrung von der Bestimmung ab, welche dieser Arten geistlich gesund, positiv und wertvoll sind: „Die Liebe zur Vollkommenheit ist gar kein leeres Wort, keine affektierte Phrase und keine sentimentale Einbildung, sondern lebendige Realität, und dabei die größte Treibkraft des menschliche Geistes und der menschlichen Geschichte. Alle Begründer großer Religionen - Konfuze, Lao-Tse, Buddha, Zoroaster, Moses - wurden durch dieses Gefühl bewegt. Und einem Christen reicht es aus, das Evangelium zu öffnen und anzufangen, es zu lesen, um die Überzeugung zu gewinnen, dass alle, die sich mit Glauben an Christus wendeten, IHN durch die Strahlen dieses Gefühls erkannten."[6] Indem der Philosoph die Natur der irrtümlichen religiösen Wahl analysiert, beschäftigt er sich auch mit dem Verhältnis der Begriffe des Glaubens[7] und des Glaubensbekenntnisses[8]. Iljin schreibt: „Es ist großartig, dass die Russische Sprache der Idee des Glaubens zwei verschieden Bedeutungen verleiht: eines verbindet den Glauben mit dem Glaubensbedürfnis, und das andere mit der Glaubens- bzw. Bekenntnisfähigkeit. Glauben[9] tun alle Menschen - bewusst oder unbewusst, bösartig oder gutherzig, stark oder schwach. Aber längst nicht alle bekennen sich zum Glauben[10], denn dieses Bekenntnis impliziert, dass ein Mensch die Fähigkeit hat, sich mit seiner Seele (seinem Herzen und seinem Willen) dem anheimzugeben, was den Glauben wirklich verdient, was den Menschen in der geistlichen Erfahrung gegeben wird, was ihnen einen „Weg zur Erlösung" zeigt. Ans Kartenlegen, an Träume, an Wahrsagung und an astrologische Horoskope glaubt man, aber zu Gott und allem Göttlichen bekennt man sich[11]. Die menschliche Bedürfnis, an „etwas zu glauben", das allen Menschen, einschließlich den Atheisten, innewohnt, verbindet sich bei Iljin mit der folgenden Lebensvorstellung, der folgenden Wahl der Werte und des Sinnes: „Auf der Welt zu leben ist zu wählen und zu streben; derjenige, der wählt und strebt, dient einem Wert, an den er glaubt"[12]. Der Glaube des Menschen hat unmittelbaren Einfluss auf seinen Charakter und seine Taten. Iljin sagt: „Der Glaube ist die wichtigste und führende Anziehungskraft im Menschen, welche sein Leben, seine Anschauung, seine Bestrebungen und Handlungen bestimmt... Wenn ein Mensch nur an das sinnliche Vergnügen glaubt und es als das Wichtigste im Leben ansieht, dann verwandelt er sich allmählich in ein sich vergnügendes Tier; und das wird sich an seinem Gesicht und seinem Gang äußern, aus seinen Augen herausschauen und seine Handlungen leiten. Glaubt ein Mensch an Geld und Macht, wird seine Seele allmählich im kalten Geiz, in kalter Machtgier, austrocknen, und ein erfahrener Beobachter wird all das in seinem Anblick lesen, in seiner Sprache hören und wird sich nicht irren, wenn er von ihm die entsprechenden Handlungen erwartet."[13] Eben durch das Fehlen der Liebe zur Vollkommenheit, der Sehnsucht nach Gott und der Heiligkeit in der gegenwärtigen europäischen Gesellschaft erklärt Iljin die Krise ihrer Weltanschauung und Kultur: „Der Mensch hat angefangen, mittels solcher Organe der Seele zu leben, die für die Wendung an das Heilige keine Kraft haben. Dieser Modus ist dadurch entstanden, dass der Mensch sich durch die Gesetzmäßigkeit der Materie, die Wohlgebautheit der Vernunft und die Kraft des formalen Willens verblendet und ihnen der zentrale Behälter der Gefühle seines Geistes abgegeben hat, und die seelische Trägheit und die Evolution der Technik haben den Rest bereitet ... Die Menschheit hat ihre Heiligtümer verloren. Sie sind nicht verschwunden, haben nicht aufgehört zu existieren - sie sind nach wie vor real. Aber der Mensch sieht sie nicht, weder schauert noch jubelt er von der deren geistlicher Berührung; erschöpft ist seine geistliche Liebe, also die Liebe zur Vollkommenheit, und ohne diese ist keine lebendige Religion möglich. Das, wonach die Masse der modernen Menschheit strebt, ist nicht heilig; und an dem Heiligen geht sie vorbei - mal gleichgültig, mal mit einem lästerlichen Grinsen auf den Lippen. Die religiöse Blindheit ist zum Kriterium der Aufgeklärtheit geworden. Und das Leben, das des Heiligtums entleert ist, ist nach und nach zum Königreich der faden Gemeinheit geworden"[14]. Es ist nicht schwer, sich der Wahrheit dieser Worte zu vergewissern. Nach Betrachtung der täglichen Nachrichtenübersicht ist man davon überrascht, wie viel Böses, Gewalt und Hass es zwischen den Menschen gibt. Auf dem ganzen Planeten toben wirtschaftliche und politische Kriege, in denen Menschen sich gegenseitig vernichten. Womit sind die Schaufenster und Buchregale der Geschäfte überfüllt, was zeigen TV-Programme und Videofilme, diese Kanäle der modernen Kultur? Vor unseren Augen flimmern Szenen von Mord, Gewalt und Sex. Mehrere Generationen sind in dem Irrglauben erzogen worden, dass der Autor der moralischen Gesetze nicht Gott, sondern der Mensch sei, und dass dieser berechtigt sei, dieses Gesetz nach eigenem Ermessen zu ändern. All das sah Iwan Alexandrowitsch Iljin voraus, als er schrieb: „Ohne Gott verliert die gesamte menschliche Kultur ihren Sinn und ihre Bedeutung. Wenn sie nicht sofort und in allen Hinsichten niedergeworfen wird, dann nur, weil der passive Nicht-Glauben lange Zeit durch den sakramentalen Atem des göttlichen Prinzips gehalten wird, das in die menschliche Seele hineingetreten ist und sie durch eine häufig unbemerkte, aber nach wie vor lebensspendende Tradition leitet. Es gibt keinen Glauben mehr; aber die Struktur der Seele, die durch den christliche Glauben der Jahrtausende erschaffen, erzogen und veredelt wurde, lebt und tut ihr Werk."[15] Heutzutage werden immer mehr Menschen sich dessen bewusst, dass die Rückkehr zu Gott das Einzige ist, was einen Weg aus der entstanden Situation weisen kann. Und auf diesem Wege können die Ideen von I.A.Iljin, die die Axiome der religiösen Erfahrung betreffen und uns den Weg zur geistlichen Erneuerung des Menschen und der Gesellschaft zeigen, für uns ein Leuchtfeuer werden, das uns die richtige Richtung zeigt. [1] Ильин И.А. Аксиомы религиозного опыта: В 2-х т. Т. 1. - М.: ТОО РАРОГЪ, 1993. - С. 40 (Iljin I.A. Die Axiome der religiösen Erfahrung: in 2 Bänden. Band 1, Moskau, TOO RAROG, 1993. - S.40). [2] Ibid. S. 40. [3] Ibid. S. 64. [4] Ильин И.А. Аксиомы религиозного опыта. В 2-х т. Т. 1. - М.: ТОО РАРОГЪ, 1993. - С. 61 ((Iljin I.A. Die Axiome der religiösen Erfahrung: in 2 Bänden. Band 1. - Moskau, TOO RAROG, 1993. - S.61). [5] Ibid. S. 60. [6] Ibid. S. 97. [7] Russ.: «вера». (Anm.d.Ü.) [8] Russ.: «верование». (Anm.d.Ü.) [9] Russ.: «верить». (Anm.d.Ü.) [10] Russ.: «веровать». (Anm.d.Ü.) [11] Ильин И.А. Путь духовного обновления / Ильин И.А. Собрание сочинений: В 10 т. Т. 1. - М.: Русская книга, 1993. - С. 49-50 (Iljin I.A. Der Weg der geistigen Erneuerung / Iljin I.A. Die Sammlung der Werke: in 10 Bänden. Band 1. - Moskau, Russkaja Kniga, 1993. - S. 49-50). [12] Ibid. S. С. 44. [13] Ibid. S. 43, 48-49. [14] Ильин И.А. Аксиомы религиозного опыта: В 2-х т. Т. 1. - М.: ТОО РАРОГЪ, 1993. - С. 62, 60, 61 (((Iljin I.A. Die Axiome der religiösen Erfahrung: in 2 Bänden. Band 1. - Moskau, TOO RAROG, 1993. - S. 62, 60, 61). [15] Ильин И.А. Путь духовного обновления / Ильин И.А. Собрание сочинений: В 10 т. Т. 1. - М.: Русская книга, 1993. - С. 357 (Iljin I.A. Der Weg der geistigen Erneuerung / Iljin I.A. Die Sammlung der Werke: in 10 Bänden. Band 1. - Moskau, Russkaja Kniga, 1993. - S. 357)

Write Your Comment

Only registered users can write comments. Please, log in or register